post-title Bei uns geht die Post
längst nicht mehr ab https://www.hirzenhain.net/wp-content/uploads/01-Ecke-Toni.jpg 2019-04-18 16:05:38 yes no Posted by Categories: Blog, Geschichte

Bei uns geht die Post
längst nicht mehr ab

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Bei uns geht die Post<br /> längst nicht mehr ab


“Ecke-Toni”: Die Frau war gut zu Fuß. „Ecke-Toni“ gab der Post in Hirzenhain über Jahrzehnte ein Gesicht.

Der „gelbe Riese“ ist inzwischen auf Normalmaß geschrumpft. Und in Hirzenhain so gut wie überhaupt nicht mehr existent: Die Post. Ab und an sieht man noch mal deren kleine gelben Autos durch die Ortsstraßen hetzen, doch ist ihr Vorhandensein allenfalls temporärer Natur. Die Damen und Herren, die ihr Erkennungsmerkmal, das schwarze Horn auf gelben Grund, früher stolz (und mitunter auch gemächlich) vor sich her trugen, kommen heuer im modischen DHL-Design daher. Und sind auch schon wieder verschwunden. Termindruck. Keine Zeit für ein kleines Schwätzchen.

Im Dorf war diese Ära zu Weihnachten 2004 definitiv vorbei. Mit Schließen der Poststelle an der Ecke Hauptstraße/Poststraße standen die Einwohner endgültig ohne da. Heute können sie sich in dem Gebäude eine Dauerwelle  oder den neusten haarstylistischen Look verpassen lassen. Am Bahnhof sollte dahingehend schon neun Jahre vorher Schluss mit lustig sein. In der dortigen Außenstelle, untergebracht im Haus von Joachim und Elfriede Ritter, waren die Lichter bereits 1995 ausgegangen. In den Jahrzehnten zuvor war die Filiale mehrmals umgezogen. Von Lilo Schmidt in die alte Schule und dann zu Schwarcks, ehe sie in der Bahnhofsstraße 20 eine endgültige Bleibe gefunden hatte.


Das Postauto, ein Opel-Blitz, ist da. Oft mussten die Hirzenhainer ihm den Weg auch erst freischaufeln. Auf der Weiterfahrt konnten auch Passagiere mitfahren.

Im Ort war der Schalterservice Jahrzehntelang von der Familie Dobener geprägt worden. Die Liesel von der Post hieß Ewald und später Otto. Und danach noch ein paar Jahre Ursula. Auch an Dieter Schmidt aus Eibelshausen erinnern wir uns. Als der ging, wurde der Betrieb abgewickelt. Versuche, in einem örtlichen Lebensmittelgeschäft eine Agentur zu etablieren, waren spätestens mit dessen Aufgabe gescheitert. In Folge (und bis heute) konnten/können Schreibwütige zwar noch bei Bäcker‘sch Briefmarken beziehen, mussten aber bei komplexeren postalischen Operationen nach Eibelshausen. Auch das dortige Postamt ist längst Geschichte und schrumpfte zur Filiale, die man an der Laaspher Straße findet.

Keine Zeit mehr für ein Schwätzchen

Heinz Busch gab der Post in Hirzenhain Jahrzehntelang ein Gesicht. Während seine Ehefrau Ingrid mitunter Schalterdienst schob, war er über 30 Jahre lang als rasender Bote unterwegs und kannte in seinem Zustellbezirk folglich jeden Pflasterstein. Das ist bei seinen heutigen Nachfolgern nicht mehr der Fall. Kaum hat man sich an sie gewöhnt, füllt jemand anders die Briefkästen. Und die Kameraden scheinen immer auf der Flucht zu sein, wie die Kollegen von UPS, Hermes und German Parcel ebenfalls. Die Touren sind so eng getaktet, das reicht es mitunter noch nicht einmal für ein unverbindliches „Guten Morgen“. Und dann sieht man nur noch die Rücklichter des gelbfarbenen Caddys.


Wo Briefe und Pakete ein- und ausgingen. Die Hirzenhainer Poststelle war, so lange die Erinnerung zurückreicht, schon immer im Ecke-Haus in der oberen Hauptstraße untergebracht. 2004 gingen hier die Lichter aus.

Das war früher anders. Ab wann genau es hier einen organsierten Zustellservice gab, verliert sich etwas im Dunkel der Historie. So lange man zurückdenken kann, schlug das postalische Herz Hirzenhains im Ecke-Haus in der oberen Hauptstraße. Nicht von ungefähr heißt die hier einmündende Gasse auch Poststraße. Die Älteren erinnern sich noch an das alte Postauto, einen schnaufenden Opel-Blitz, der sich bei Wind und Wetter auf die Höhe kämpfte. Aber nicht immer durch- und ankam. Nicht selten vereitelten Schneeberge die Zieleinfahrt. Da mussten die Bewohner mit Muskelkraft eine Schneise freischaufeln.

Erinnerungen an „Ecke Toni“

Auch  „Ecke Toni“ ist vielen noch ein Begriff. Sie hatte bis in die frühen 60er Jahre die Korrespondenz im Dorf verteilt. Sie tat das zu Fuß. Im Laufe ihrer langen Tätigkeit dürften schon ein paar Kilometer auf ihrem persönlichen Tacho zusammen gekommen sein. Auch der Busch-Heinz war anfänglich (gut) zu Fuß unterwegs gewesen. Vormittags. Nachmittags griff er mitunter auf seinen Privat-Pkw zurück, um größere Lieferungen wie Päckchen und Pakete unters Volk zu bringen. Entsprechende Dienstfahrzeuge wurden nur privilegierten Post’lern zugebilligt. Dazu zählte auch Erwin Dobener nicht, der Friseur, der mitunter schon mal die Schere gegen die Ledertasche eintauschte und im Familienbetrieb aushalf.

Die lange Menschentraube, die sich jeweils am Ersten eines Monats vor dem Postamt bildete und an DDR-Zeiten erinnerten, hatte natürlich einen Grund. Und der war monetärer Art. Es gab Geld. Die meisten Ruheständler aus Hirzenhain hatten sich, von Otto Dobener akquiriert, ein Postbankkonto zugelegt, auf dem pünktlich die monatliche Rente einlief. Der Prozess der Auszahlung war ein recht umständlicher. Und wurde auch durch die Einführung von Computern nicht einfacher. Im Gegenteil.

Zwei Briefkästen als Überbleibsel


Kehraus. Da half auch keine Charmeoffensive. Die Post ist in Hirzenhain so gut wie nicht mehr existent.

Was nun ist von dem einstigen gelb-schwarzen Glanz geblieben? Nicht viel. Zwei Briefkästen, um genau zu sein. Einer im Ort am „Maulaffenplatz“, der zweite am Bahnhof. Leerung mit etwas Glück einmal täglich. Aber viel raus und rum kommt dabei nicht. Diese Form der Korrespondenz hat sich (fast) erledigt. Kaum jemand schreibt heute noch Karten und Briefe. Wofür gibt es schließlich Email und WhatsApp? Für Vollbeschäftigung unter den Verteilern und Abholern sorgen heute andere: Amazon, Zalando und Co.

Gleiches Spiel beim Telefonieren. Ruf‘ doch mal an! Das kleine gelbe Glashäuschen unten an der Bach ist längst abgebaut. An seine Stelle trat vorrübergehend ein kleiner, nicht überdachter Quasselstrippen-Kasten im Magenta-Look der Telekom. Aber auch der ist verschwunden. Kein Anschiss unter dieser Nummer. Privatanschlüsse gehören heute in jedem Haushalt zur persönlichen Grundausstattung. Und wenn nicht, dann halt ein (oder mehrere) Smarthone(s). Zur Erinnerung: Als Hirzenhain 1916 Anschluss an das Telefonnetz gefunden und mit dem Rest der Welt Gesprächsverbindung aufgenommen hatte, gab es im Ort ganze fünf Anschlüsse. Das Fräulein vom Amt kannte alle Nummern auswendig. Die waren auch nur dreistellig….

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