post-title Der “Knoche”: Mann aus dem Untergrund 2018-03-14 17:44:31 yes no Posted by Categories: Unvergessen

Der “Knoche”: Mann aus dem Untergrund

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Den auf den ersten Blick wenig schmeichelhaft erscheinenden Spitznamen hatte er als junger und auf Freiersfüßen wandelnder „Migrant“ aus dem Hinterland bereits mit nach Hirzenhain gebracht. Den hatten dem Gönnersche‘ Jung Freunde in seinem Heimatort verpasst. Warum, weiß der Himmel. Denn ein „Knochen“  im übertragenen Sinne dieses Wortes war Herbert Konrad  Zeit seines Lebens nie. Aber vielleicht sollte mit diesem „Nickname“ auf dessen knochen-trockenen Humor hingewiesen werden. Das würde es schon eher treffen.


Ein Leben unter Tage: Herbert Konrad

Der Mann, Baujahr 1935, war ein  Maulwurf, einer, der sich lieber unter als über der Erde aufhielt. Mit anderen Worten: Ein Bergmann mit Leib und Seele. Glück auf! Unter Tage hatte es den Knappen in spe schon direkt nach der Schulzeit gezogen. Und daselbst fühlte er sich sein Leben lang wohl.

Nach der Hauer-Lehre im Aachener Revier hatte er auf der Bergschule in Dillenburg die Bank gedrückt, um sich in Folge als Steiger in Koblenz, Mecken und im heimischen Raum, zuletzt auf der Grube Falkenstein, seine Kohle zu verdienen. Dem Falkenstein blieb er bis zur Schließung in 1971 verbunden. Seiner Passion aber noch lange über dieses Datum  hinaus. Die konnte Konrad nach einem Zwischengastspiel bei der Firma Müller in Gönnern in der Grube Fortuna in Solms ausleben, ehe auch hier Schlegel und Eisen nach unten zeigten. Dass dann daraus einmal ein Besucherbergwerk der heutigen Größenordnung werden würde, geht auch auf seine Kappe.

Herzinfarkt und Bypass-OP sollten den Wahl-Hirzenhainer zwar ausbremsen, aber für den Bergbauverein Oberscheld und den Besucherstollen „Ypsilanta“ reichte die Energie allemal noch. Ebenso für die Dillenburger Lebenshilfe.

Was ihn neben seiner lebenslangen Untergrundtätigkeit aber für seinen Wohnort Hirzenhain so bedeutsam machte, war nicht allein das kommunalpolitische Engagement. Herbert Konrad gehörte der Gemeindevertretung an und hatte auch lange Jahre, von 1993 bis 2001, im Ortsbeirat Sitz und Stimme.

Als Privatmann und -bauherr setzte er bei der Bewahrung historischer Bausubstanz Akzente. Das heute noch von seiner Frau Anita bewohnte Fachwerkhaus Johannesgasse 3 ist ein Blickfang und gilt als Musterbeispiel einer gelungenen Sanierung. Wer die Kosten und Mühen eines solchen Projekts nicht scheut, muss sich daran messen lassen.

Von der akribischen Fleiß- und Archivarbeit dieses Mannes haben vor allem die hiesigen Heimathistoriker profitiert. Nicht nur bei der Vorbereitung und praktischen Umsetzung des Ortsjubiläums vor 25 Jahren, sondern auch bei der publizistischen Realisierung in Gestalt des prächtigen, vom damaligen Ortsbeirat herausgegebenen Jubiläumsbildbandes.

Herbert Konrad hatte zu den rund 400 zusammengetragenen historischen Fotos damals in ungezählten Stunden die Fakten, Namen und Hintergründe recherchiert. Eine Fleißarbeit, von der wir heute noch und wieder zehren.

Leider darf er die 750-Jahr-Feier nicht mehr miterleben. Konrad starb am 18. April 2004.

 

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