post-title MGV “Sangesfreude” https://www.hirzenhain.net/wp-content/uploads/1-Chor.jpg 2018-02-01 17:08:52 yes no Posted by Categories: Ortsvereine

MGV “Sangesfreude”

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MGV “Sangesfreude”


Stimmgewaltig und gut gelaunt. Der Chor des MGV “Sangesfreude im Jubiläumsjahr 2011. Damals feierten die Sänger den 100. Geburstag ihres Vereins.

In dem Jahr, in dem Hirzenhain das 750. Ortsjubiläum begeht, kann auch der Männergesangverein Geburtstag feiern. Allerdings einen “krummen”, aber immerhin einen Dreistelligen. Der MGV als solcher besteht dann seit 108 Jahren. Zunächst waren die Vokalisten zwar nicht richtig in die Gänge gekommen, gaben dann aber Gas. Bereits ausgangs des 19. Jahrhunderts hatten einige Hirzenhainer wiederholt versucht, einen Gesangverein aus der Taufe zu heben. Doch irgendwie waren diese Bemühungen alle im Sande verlaufen.  Auf ein Neues!  1911 dann machten die Stimmkünstler Nägel mit Köpfen. Das war das offizielle Geburtsjahr. Und von da an ging es bergauf – Höhen und Tiefen inklusive.

Heute zählt das von Martina Bachtig geleitete Vokal-Ensemble 22 Aktive. Und schlägt sich wacker. Aber auch,  wie die Kollegen andernorts, mit Nachwuchsproblemen herum. Dennoch ist der Chor eine feste und anerkannte Größe innerhalb des Dill-Sängerbundes. Was seine Erfolge bei zahlreichen Wett-, Kritik- und Leistungssingen belegt. Unvergessen sind auch die gemeinsamen Auftritte mit Szene-Größen wie den Kammersängern Karl Ridderbusch, Günter Wewel  und Günther Emmerlich. Und mit den Original Don Kosaken haben die Hirzenhainer ebenfalls  schon gemeinsam auf der Bühne gestanden. Unvergessen auch ein fulminantes Auswärtsgastspiel in der Asamkirche zu Aldersbach im Bayerischen Wald.

Dem gemeinschaftlichen Singen in dieser Form haftet ja heutzutage der Ruch des Angestaubten, (Vor-)Gestrigen an.  Zu Unrecht. Eine überwiegend auf Vorurteilen beruhende Einschätzung, die völlig an der Realität vorbei geht. Das Repertoire des Chors speist sich längst nicht mehr nur und ausschließlich aus den alten, traditionellen  Quellen des deutschen Volksliedgutes, sondern ist angereichert mit vielen modernen und zeitgemäßen Elementen. Was auch ein Verdienst der aktuellen Dirigentin ist. Die kann sich andererseits aber auch auf eine entsprechend gut disponierte “Men-Power” stützen. Wer die Sänger bei einem ihrer jüngsten Auftritte erlebt und gehört hat, weiß, was gemeint ist.

Als die Chordirektorin damals, 1996 war’s, den Taktstock in die Hand genommen hatte, war das nicht nur für hiesige Verhältnisse ein absolutes Novum. Erstmals sollte eine Frau dafür sorgen, dass die Sänger den richtigen Ton trafen. Und sie taten es. Die Personalie war, wie die folgenden Jahre zeigten, eine gute Wahl. Die Dame war quasi die späte Erbin eines gewissen Wilhelm Flachshaars, eines aus dem benachbarten Oberhörlen stammenden Lehrers. Der hatte die muntere Riege in den ersten fünf Jahren ihres Bestehens musikalisch betreut.  Und es waren auch in den folgenden Jahren immer wieder die  “Pauker”, die wichtige Impulse gaben oder Leitungsfunktionen übernehmen sollten. Berthold Gaschè, Emil Schäfer und Carl Claas, um nur einige Namen zu nennen.

Ursprünglich nannte sich der MGV ja “Gesangesfreude”. Die erste Silbe fiel später unter das Notenpult. Und damit, dass die Zeitung dann in Folge, und das bis heute, immer mal wieder von einem MGV “Sangesfreunde” schrieb und schreibt, musste man leben. Konnte man auch. Der Tatsache, dass viele der Aktiven damals ihr Brot unter Tage verdienten, war es zu verdanken, dass der klangvolle Betrieb auch während des Ersten Weltkriegs nicht eingestellt werden musste, wie das andernorts der Fall war. Bergleute waren nämlich vom Kriegseinsatz ausgenommen. Doch nach dem Untergang des Kaiserreichs war dann doch erst einmal Schicht im Schacht. Die Leute hatten in den folgenden, von Hyperinflation und bitterer Armut geprägten Not- und Mangeljahren, andere Sorgen.

Erst 1922  ging es dann in die nächste Runde. Die neue Ära begann nach zwei gut angenommenen Volkstumsabenden quasi mit einem Paukenschlag. Nicht weniger als 1.200 mit Sonderzügen der Reichsbahn herbeigekarrte  Sänger “fluteten” drei Jahre später anlässlich eines großen, von den Hirzenhainern organisierten Freundschaftssingen das kleine Bergdorf.  Eine bessere Werbung für ihr Hobby konnten sich die Gastgeber nicht vorstellen.

Vergessen wir die dunklen Jahre des “Tausendjährigen Reichs”. Eine Zeit, während der das Vereinsgeschehen “von oben” gelenkt, oder halt auch gestört und torpediert wurde und mehr oder weniger nur noch so dahinplätscherte. Die erste Gesangsprobe 1949 im Gasthaus Stoll markierte dann den Neubeginn. Im Herbst desselben Jahres wurde ein kleines Orchester gegründet, das nach einer kurzen Blütezeit aber längst wieder Geschichte ist.


Als Hirzenhain Singen lernte. Eine Aufnahmen aus den Kindertagen des Männergesangvereins. Wann genau das Foto entstand, lässt sich nicht mehr ermitteln.

Was viele in Hirzenhain nicht (mehr) wissen oder wissen können: Die große Flughalle am Hang hatte einmal als, wenn auch reichlich überdimensionierter Probenraum herhalten müssen. Die Sänger hatten die Stätte, die während des Zweiten Weltkrieges von der Luftwaffe und dem Nationalsozialistischen Fliegerkorps erbaut und genutzt worden war, von der Hessischen Finanzverwaltung angemietet. Hier fanden dann in Folge auch große Theaterabende und Operettenaufführungen sowie Filmvorführungen statt. Doch die Unterhaltung des Objekts überstieg dauerhaft die Möglichkeiten des kleinen Vereins. Die Immobilie ging später in den Besitz des Segelfliegerclubs über.

Ursprünglich gab es in Hirzenhain sogar einmal zwei unabhängig voneinander operierende Männergesangvereine. Die Liedgutfreunde im Ortsteil Bahnhof hatten über Jahre hinweg ihr eigenes Ding gedreht. Beide Gruppen vereinigten sich dann nach einer Übergangsphase, in der sie eine Chorgemeinschaft bildeten, 1966 zu einem einzigen Verein. Ein 1953 gegründeter Frauenchor, aus dem wiederum als drittes Standbein ein gemischter Chor erwuchs, hatte bis 1961  Bestand.

Aktuell wird der MGV, dem neben den Aktiven auch 45 passive Mitglieder angehören, von Peter Arnold als Vorsitzendem geführt. Und das ununterbrochen seit 2002. Zu seinen Amtsvorgängern zählten u.a. Dieter Höflein, Herbert Schneider, Valentin Knell und Julius Schumacher.

Heute ist der Chor aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben in Hirzenhain nicht mehr wegzudenken. Das gilt auch für die Umrahmung und Begleitung vieler öffentlicher Veranstaltungen und anderer Aktionen der Dorfgemeinschaft. Weshalb die Sänger auch darauf setzen, dass die Bevölkerung ihrerseits die Aktivitäten des MGV  wahrnimmt, begleitet und unterstützt. Zu den fest etablierten “Events” zählt beispielsweise das große Maibaumfest an der Schutzpütte. Selbiges steht seit dem Jahre 2000 auf dem Programm.

Kontakt: Peter Arnold, Tel: (02770) 629, Email: mgv_hihai@yahoo,de

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