post-title Obst- und Gartenbau https://www.hirzenhain.net/wp-content/uploads/01-Gartenbauer-2.jpg 2018-02-01 17:08:52 yes no Posted by Categories: Ortsvereine

Obst- und Gartenbau

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Obst- und Gartenbau


Schnuppertag: Im Rahmen des Ferienpaßprogramms erfuhren die Jüngsten, dass Gartenarbeit nicht nur Plackerei ist, sondern auch Spaß macht.

Seit sie aus dem Dunkel der Geschichte hervorgetreten sind, haben die Hirzenhainer neben Landwirtschaft und Viehzucht immer zugleich auch Garten- und Obstanbau betrieben. In dieser Tradition steht, keine Frage, heute der Obst- und Gartenbauverein. Bereits 1907 durch den damaligen Lehrer Flachshaar aus der Taufe gehoben, gehört er zu den ältesten aktiven Ortsvereinen. Und ist damit fast schon so etwas wie eine Institution.

Aber das war nicht immer so. Während der beiden (hoffentlich) letzten Weltkriege war die Vereinsarbeit nahezu völlig zum Erliegen gekommen. Die Einwohner hatten in diesen Zeiten andere Sorgen, blieben aber, was die Bewirtschaftung ihrer kleinen Schollen anbelangte, am Ball. Nur tat das jeder für sich. Erst nach dem Zusammenbruch des “Tausendjährigen Reiches” fand man dahingehend wieder zusammen. Wobei die Einsicht, dass es gemeinsam halt besser geht, den Ausschlag gegeben haben dürfte.

Vor allem in den kargen, von Hunger und Not geprägten Nachkriegsjahren waren die Früchte aus dem eigenen Garten nicht nur eine willkommene Bereicherung des Speisezettels, sondern von nachgerade existentieller Bedeutung. Und da war es schon von Vorteil, sich austauschen zu können und sich  gegenseitig zu helfen. Und sei es nur mit Tipps und guten Ratschlägen.

Der “OuGV”, so das gebräuchliche Kürzel, erlebte damals eine Renaissance und gelangte, wie die eigenen Gärten auch, zu voller Blüte. Auch was die Mitgliederbewegung anging. Seitdem gehört er zu den Pluspunkten auf der Habenseite der dörflichen Vereinswelt, ist aber auch im gesellschaftlichen Leben eine feste Größe. 85 Namen stehen aktuell auf der Mitgliederliste. Als 1. Vorsitzender zeichnet Dieter Holighaus verantwortlich, Andrea Andreano unterstützt ihn als Stellvertreterin. Den Vorstand komplettieren Dieter Andres, Inge Schneider, Christian Hermann, Renate Schneider und Mathias Klein.

Neben kollektiven Unternehmungen, Arbeitseinsätzen, Fachvorträgen, Kräuterspaziergängen, Diaabenden, Baumschnittkursen und anderen Fortbildungsveranstaltungen kommt natürlich auch die Pflege der Geselligkeit nicht zu kurz. Dazu zählen Ausflüge, gemeinsame Wanderungen sowie regelmäßige Grillfeste an der Schutzhüte. Die aktive Teilnahme an vereinsübergreifenden Aktionen wie Dorffest, Weihnachtsmarkt und Kirmeswäldchenfest ist Ehrensache.

Die regelmäßigen Einladungen an Kindergarten und Schulklassen erfolgen natürlich nicht ganz ohne Hintergedanken. Es gilt, die Jüngsten frühzeitig an das Thema heranzuführen und entsprechendes Interesse zu wecken. Denn: Wenn ein Hobby sinnvoll und zugleich nützlich ist, dann dieses. Es dient im weiteren Sinne auch der Erhaltung der Kulturlandschaft. Und sei’s drum, dass diese – auch auf dem Dorf – inzwischen immer mehr im urbanen Bereich verortet ist. Nicht von ungefähr heißt der Verein offiziell auch “Verein zur Förderung des Obstbaues, der Garten- und Landschaftspflege”. Gartenbau ist, wenn er unter ökologischen Gesichtspunkten betrieben wird, und das wird er hier, immer zugleich auch ein Stück Umweltschutz. Insofern weiß man sich mit der Natur und ihren Bewohnern auch im Reinen.


Auf der Suche nach herumspazierender Petersilie: Christina Schuhmann (6. von links) zeigt den Hirzenhainer Gartenfreunden im Rahmen einer Kräuterwanderung die Stellen, an denen würzige und heilende Pflanzen wachsen.

Das Herz der Gartenbauer schlägt in der Hofstraße. Dort versteckt sich in einer Hofeinfahrt das sowohl gemütliche als auch zweckmäßig eingerichtete Vereinsheim. Es ist die Zentrale und gleichzeitig auch der Schauplatz der regelmäßigen Monatsversammlungen.

Das Untergeschoss des kleinen Gebäudes mit der Hausnummer 4a beherbergt seit 19 Jahren eine Einrichtung, in der jeweils im Herbst die Leitungen und Schläuche glühen: die Obstpresse. Da gerät Kelterwart Christian Hermann,  je nachdem, wie stattlich die Ernte ausfällt, schon mal ins Rotieren.

Trotz des (noch) stabilen Personalbestandes ist die Sorge um die Zukunft des Vereins latent. Was teilweise auch dem demographischen Wandel geschuldet sein mag. Die Mitgliederstruktur gilt als übelaltert – was immer das heißen mag. Fakt ist: Es fällt schwer, die jüngere Generation für Harke, Hacke und Spaten zu begeistern. Andererseits entdecken aber auch immer mehr Menschen die Vorzüge der eigenen Ernte, statt sich eben mal an der Gemüsetheke im Supermarkt die Tüte zu füllen. Das gibt Hoffnung.

 

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