post-title Die Hexe von Hirzenhain
Denunziert, gequält, enthauptet https://www.hirzenhain.net/wp-content/uploads/Porträt.jpg 2019-01-12 19:38:24 yes no Posted by Categories: Blog, Geschichte

Die Hexe von Hirzenhain
Denunziert, gequält, enthauptet

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Die Hexe von Hirzenhain <br/>Denunziert, gequält, enthauptet

Die Hexenverfolgungen zählen mit zu den dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Ein bitterer Kelch, der auch an Hirzenhain nicht vorbei gegangen ist. Allein zwischen 1629 und 1632 waren in der gesamten hiesigen Grafschaft 400 Männer und Frauen liquidiert worden, weil sie vermeintlich mit dem Teufel oder andere dunklen Mächten paktiert hatten. In Dillenburg, Herborn und Driedorf, den zentralen Gerichts- und Exekutionsstätten unserer Region, starben in diesem Zeitraum 126 Angeklagte. Sie würden enthauptet und, so sie vorher nicht geständig gewesen waren, anschließend verbrannt. Folter vorher inklusive.

Während das Denunziantentum in unserer Nachbarschaft wesentlich ausgeprägter war und den Hexenkommissaren so zur Vollbeschäftigung verhalf, ist aus dem Höhendorf nur ein einziger Fall aktenkundig. Böse Zungen behaupten ja, dass es heute wieder mehr Hexen hier gibt. Nur: Die laufen frei herum. Denen tu keiner was. Das war früher anders. Da genügte die Anschuldigung, der oder die wäre bei Vollmond mit Wunderkerzen in den Ohren nackig um einen Brombeerstrauch herumgetanzt und habe dabei „Highway to Hell“ von ACDC gesungen. Das war quasi schon das Todesurteil. Wer zudem einen Buckel, rote Haare oder eine krumme Nase aufwies, hatte sowieso schon verloren. Die Beschuldigungen brauchten noch nicht einmal bewiesen zu werden. Die Folterknechte sorgten schon dafür, dass die Delinquenten gestanden – um weiteren Torturen zu entgehen.

Die Schergen der Hexenkommissare gingen mit den Angeklagten nicht gerade zimperlich um. Vor Gericht gestanden die Delinquenten dann meist – um sich weitere Folterqualen zu ersparen.

„Unsere Hexe“ hieß nicht Schrumpeldei oder Bibi Blocksberg, sondern  Anna Geiln. Sie wurde am 20. Mai 1631 am Dillenburger Untertor einen Kopf kürzer gemacht, nachdem sie in allen 21 Anklagepunkten für schuldig befunden worden war. Als Belastungszeugen war unter anderem auch die Schwiegertochter der armen Frau aufgetreten, ebenso zwei Männer aus dem Dorf (Josef C. und Hans S.) Die damals 65-ährige hätte beim Abendmahl das Brot verweigert, hielt man ihr vor. Und, was noch schlimmer wog, sie hätte ihren Gatten verhext, weshalb der dann jämmerlich krepiert sei. Bei der Obduktion des Leichnams stellte man  fest, dass „der Magen mit bös angewachsene Materi hart beladen“ war. Heute würde die Diagnose auf Krebs lauten.

Anhang zur Prozessakte der Hirzenhainerin Anna Geiln. Rechts ein Teil der Kostenaufstellung. ^Den Familien der Opfer wurden alle im Zusammenhang mit dem Verfahren entstandenen Aufwendungen in Rechnung gestellt.

Für die Haft- und Prozesskosten mussten damals übrigens die Angehörigen der Angeklagten gerade stehen. Hatten die nix auf der Pfanne, zahlte die Dorfgemeinschaft. Im Fall der Anna Geiln belief sich die saftige Rechnung auf 71 Taler, 37 Albus und drei Heller. In dieser Summe war auch der Komplett-Service der Folterknechte, der u.a. Strecken und Blenden beinhaltete, schon drin.

Die durch Scharfrichter Johann Laux mit dem Schwert Hingerichtete (Bearbeitungsgebühr 6 Taler)  wurde „mit dem Kirchhof“ begnadigt. Heißt: Ihre von sterblichen Überreste wurden in geweihter Erde bestattet. In diesem Fall auf dem alten Dillenburger Friedhof unterhalb des heutigen Krankenhauses. Wer bis zuletzt leugnete, wurde nach der Hinrichtung verbrannt. Die Asche entsorgte man dann irgendwo in einem Wald.

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