post-title Ein Pfarrer in unserer „Hall of Fame“ 2018-03-14 17:46:00 yes no Posted by Categories: Unvergessen

Ein Pfarrer in unserer „Hall of Fame“

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Obwohl es den Mann nur fünf Jahre in Hirzenhain hielt, hat er wohl von allen Pfarrern hier den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. Wenn man mal von dem legendären Johann Jacob Fuchs (1789 – 1830) absieht. Hier geht es aber jetzt um Martin Vömel. Der hatte in den ersten Nachkriegsjahren von 1945 bis 1950 auf der hiesigen Kanzel das Wort. Und vor allem bei der Jugend einen dicken Stein im Brett. Hirzenhain war seine erste Pfarrstelle nach seiner Rückkehr aus dem Krieg, den er als Sanitäter an der Ostfront erlebt hatte.


Pfarrer Martin Vömel begeisterte die Jugend.

Nicht, weil er sich, um vielleicht einem diffusen Zeitgeist zu folgen, bei den jungen Leuten anbiederte. Das Gegenteil war der Fall. Der Mann war eine Respektsperson, erwarb sich die Hochachtung seiner „Schäfchen“ aber nicht (alleine) durch das Amt, sondern die Art und Weise, wie er es ausfüllte. Was Vömel predigte, lebte er auch vor und nach. Er hatte seine felsenfesten Überzeugungen und Prinzipien, und danach verfuhr er.

Was ihm einen festen Platz in der Hirzenhainer „Hall of Fame“ einbrachte, war seine Weise, mit Menschen umzugehen. Insbesondere mit solchen der jüngeren Generation. Er war ein überzeugter, tiefgläubiger Christ, aber eben kein Bußprediger. Und er hatte viel
Humor. Unter seiner Federführung explodierte die Jugendarbeit. CVJM und Jungschar erlebten eine bis dato nie dagewesene Blüte.

Dieser auch künstlerisch begabte Seelsorger riss mit, begeisterte, beeindruckte. Die Jugendstunden waren brechend voll, die Kirche ebenfalls. Vömel brachte, unterstützt von seiner Ehefrau, neue Ansätze und eröffnete neue Perspektiven. Es gab Theater und Freizeiten, Ausflugsfahrten, Konzerte, Geländespiele, Zeltlager. Und wenn er predigte, konnte man eine Stecknadel fallen hören. Die Gemeinde lauschte gebannt – und verstand.  Der Seelsorger war niemand, der um den heißen Brei herumredete. Er redete Tacheles. Und er brauchte keinen Ziegelstein auf der Kanzel, wie sein berühmter fuchsiger Vorgänger, damit die Leute nicht einnickten.

Martin Vömel, Baujahr 1912, stammte aus Rodheim-Bieber, wo er mit fünf weiteren Geschwistern aufwuchs. Der Papa war ebenfalls Pfarrer. Ein Berufswunsch, der schon früh in dem jungen Mann gereift war. Aber nicht um jeden Preis. Weil er sich weigerte, dem Führer bedingungslosen Gehorsam zu schwören, war er erst einmal ausgesiebt worden und wurde nicht zum Staatsexamen zugelassen. Das abzulegen ermöglichte ihm später unter erschwerten Bedingungen die Bekennende Kirche.

Vor seiner Amtseinführung in Hirzenhain hatte Vömel als Vikar in Sonthofen und Oberstdorf im Allgäu Dienst versehen, wo er 1937 auch ordiniert worden war. In Hirzenhain hielt es den belibeten Seelsorger nur fünf Jahre. 1950 folgte er dem Ruf der Düsselthaler Anstalten, deren Leitung er übernahm. Zu dem nach dem Stiftungsgründer Adelberdt Graf von der Recke-Volmerstein benannte Reckestift gehörten Kinder– und Jugendheime mit sechs handwerklichen Lehrwerkstätten. Nicht  wenige junge Hirzenhainer folgten ihm dorthin. Und die zurück blieben, trauerten dem sympathischen und engagierten Geistlichen noch lange nach.

Viel Eindruck hinterlassen

Die älteren Hirzenhainer reden noch heute mit großem Respekt von diesem Pfarrer. Er hat ziemlichen Eindruck hinterlassen. In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zog es Martin Vömel sporadisch zurück an seine frühere Wirkungsstätte. Inzwischen pensioniert, hatte ihm seine Tochter Irmela am Anwender ein kleines Wochenendhaus aus Holz errichtet, das diese auch heute noch regelmäßig nutzt. Dort am Waldrand inmitten der Natur durfte Vömel noch viele angenehme und geruhsame Tage verbringen. Er starb am 7. November 1996.Die Erinnerung an ihn ist jedoch noch lebendig.

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