post-title Fritz Holighaus: “Kinderpfarrer” und Poet 2018-03-13 13:00:28 yes no Posted by Categories: Unvergessen

Fritz Holighaus: “Kinderpfarrer” und Poet

Posted by Categories: Unvergessen

Ein einziges Mal im Leben hat er gehörigen Schiffsbruch erlitten – und wie durch ein Wunder überlebt. Fritz Holighaus lag schwer verwundet im Bauch des Lazarettschiffs “General von Steuben“, als ein russisches U-Boot den Pott auf den Grund der eisigen Ostsee schickte. Das war am 12. Februar 1945. Der Hirzenhainer fiel über die Rehling des bereits heftig Schlagseite aufweisenden Schiffs – direkt in ein Rettungsboot. Dieses Wunder  und die Gewissheit, dass da jemand seine schützende Hand über ihn gehalten hatte, sollte den Mann sein ganzes weiteres Dasein prägen.


Fritz Holighaus: Ohne ihn hätte Hirzenhain keine Geschichte.

Wie kaum ein anderer vor und nach ihm hat sich dieser „Friedrich-Adolf“, wie er korrekt mit Vornamen hieß, für seine Mitmenschen und sein Dorf engagiert, mit nie nachlassender Vehemenz. Keiner weiß, woher er die Energie genommen hat. Der gelernte Schreiner, zuletzt bei der Volks- und Raiffeisenbank Dill beschäftigt, hatte über ein Vierteljahrhundert im Gemeindevorstand seiner Heimatgemeinde Sitz und Stimme und zeichnete viele Jahre als  stellvertretender Bürgermeister verantwortlich. Ortsgerichtsvorsteher war Fritz Holighaus 21 Jahre lang, als Schiedsmann der Gemeinde Eschenburg schlichtet er so manchen Streit. Nicht von ungefähr verlieh ihm das Land Hessen den Ehrenbrief.

Der Familienmensch, nebenbei ein passionierter Fußballspieler und aktiver AH-Kicker, hatte auch eine poetische, literarische Ader. Unzählige Abhandlungen, Gedichte und Aufsätze, in denen es im wesentlich darum ging, seinem Heimatort ein in Buchstaben gesetztes Denkmal zu errichten, stammen aus seiner kreativen Feder. Darüber hinaus hatte der vierfache Vater immer auch schon einen guten Draht zur jüngeren Generation. Mit den Kids konnte er einfach umgehen. 25 Jahre lang hat er als „Kinderpfarrer“, wie ihn einer seiner Schützlinge einmal titulierte, im Ort Kindergottesdienst gehalten. Und das, mit Unterstützung von Schwester Elli und anderen Helferinnen, auf so packende Weise, dass die Eltern ihnen Nachwuchs gar nicht zum Kirchgang drängen mussten. Die Buben und Mädels strömten aus freien Stücken in Scharen herbei, um „Onkel Fritz“ zuzuhören. Das taten an dieser Stelle auch die Erwachsenen. Holighaus stand auf der Kanzel auch als Prädikant seinen Mann, wortgewandt und überzeugend. Er war ein brillanter Redner. Was er sagte, hatte Hand und Fuß. Im Kirchenvorstand hatte sein Wort ebenfalls viele Jahre Gewicht. Fritz Holighaus war trotzdem nie ein Mensch, der sich in den Vordergrund spielte oder darauf aus war, sich durchzusetzen. Gerade sein bescheidenes Auftreten, seine  angenehme Wesensart und seine sympathische Herzlichkeit waren es, die dem, was er sagte und tat, Authentizität verliehen.

Und was täten wir Heutigen ohne die Ergebnisse seiner unermüdlichen Heimatforschung? Wir stünden, was die Geschichte des Ortes anbelangt, mit ziemlich leeren Händen da. Fritz Holighaus hat die Historie Hirzenhains penibel durchleuchtet, dokumentiert und analysiert. Das Zustandekommen dieser Chronik ist in wesentlichen Teilen auch sein Verdienst – posthum. Zur 725-Jahrfeier in 1994 war er es gewesen, der seinen Mitbürgern gemeinsam mit Pfarrer Dietrich Eizenhöfer den Schlüssel zum Verständnis der Vergangenheit überreichte. Den 750. Dorfgeburtstag wird er nicht mehr mit feiern können. Fritz Holighaus starb am 2. Mai 2001. Aber sein Erbe ist allgegenwärtig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.