post-title Gerhard Heimann: „Der Kommissar“ 2018-03-13 17:41:09 yes no Posted by Categories: Unvergessen

Gerhard Heimann: „Der Kommissar“

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Er war keine „graue Eminenz“ im klassischen Sinne, aber er war der „Große Graue“. Wenn auf den Fluren der Dillenburger Polizeidienststelle von selbigem die Rede war, wussten alle, wer gemeint war. In seinem Heimatort Hirzenhain kannte man den Mann eher unter seinem bürgerlichen Namen, wobei der zweite dem ersten vorangestellt wurde: als Heimanns-Gerhard. Oder auch als „Kommissar“.


Gab der Dillkreis-Polizei 21 Jahre lang ein Gesicht: Erster Hauptkommissar Gerhard Heimann

Der berufliche Stallgeruch sollte diesem „Paul-Gerhard“, wie es im Pass stand, bis zu seinem Lebensende anhaften. Die Polizei war sein Leben. Sie hat ihn geprägt, und er sie. Mit Zielstrebigkeit und Fleiß hatte sich der gebürtige, aus einfachsten Verhältnissen stammende Tringensteiner nach dem frühen Tod seines Vaters  vom Waldarbeiter bis zum obersten Ordnungshüter im Dillkreis hochgearbeitet. Vorausgegangen waren mehrjährige Zwischenstopps als Referatsleiter im Hessischen Innenministerium, als Lehrbeauftragter an der Polizeischule in Wiesbaden und als stellvertretender Leiter der Autonbahnpolizei Butzbach.

Doch Hirzenhain zog ihn magisch zurück. 1968 übernahm er den Chefposten des Dillenburger Polizeikommissariats. 21 Jahre lang trug er danach im Kreis als oberster Sheriff Verantwortung, entwickelte Taktiken und Strategien, die heute bundesweit Standard sind. Polizeiwesen und Verkehrssicherheit hierzulande erlebten unter seiner Führung und mit ihm als Ideenlieferant ihre bis dato größte Blüte. Und dass die Bürger sich mit „ihrer“ Polizei identifizierten, ging auf seine Kappe. Niemand hat so viel für das Ansehen der Ordnungsmacht getan. Die damalige niederländische Königin Juliane verlieh ihm anlässlich ihres Besuchs in Dillenburg den Verdienstorden ihres Landes, Bundespräsident Gustav Heinemann ließ das Bundesverdienstkreuz springen. Aber aus derart „Lametta“ mache er sich nichts.

27 Jahre sollten ihm nach seiner Pensionierung im Januar 1989 bleiben, sich seinen zivilen Passionen zu widmen: der Familie, dem (biologischen) Gartenanbau, der Hühnerhaltung sowie der Literatur, der Ortsgeschichts- und Ahnenforschung. Er „sammelte“ Kirchen wie andere Leute Briefmarken. Kein Sakralbau in weitem Umkreis, den er nicht aus eigener Anschauung kannte – von außen wie von innen.

Der Mann hat auch in Hirzenhain deutliche Spuren hinterlassen und viele Entwicklungen mit angestoßen. Beispielsweise als Jungschar- und Posaunenchorleiter oder als Gemeindevertreter. Wer in alten Chroniken und Analen stöbert, stolpert zwangsläufig über seinen Namen. Den großen Festzug zur der 725-Jahr-Feier in 1997 beispielsweise hat er noch beredet moderiert. Das bleibt im 2019 zur 750-Jahr-Feier versagt. Gerhard Heimann starb 87jährig am 9. April 2016.

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