post-title Göst‘s Reinhard: Luftikus und Akrobat 2018-03-14 17:42:19 yes no Posted by Categories: Unvergessen

Göst‘s Reinhard: Luftikus und Akrobat

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Dieser Mann hat das Segelfliegen zwar nicht erfunden, aber dieser Sportart neue Dimensionen eröffnet. Reinhard Göst gilt in der deutschen Glider-Szene bis heute als einer der Pioniere des Kunstflugs. Als er in den 70er Jahren am Himmel Hirzenhains erstmals seine haarsträubenden Kabinettstückchen zelebrierte, wurden vielen Beobachtern allein vom Zuschauen schlecht. Ihm nicht.


Sein Lieblingsplatz: Reinhard Göst im Cockpit seiner Lo 100

Ja, der Göst‘s Reinhard war schon eine Nummer für sich. Von Hause aus Elektromeister stand er niemals auf der Leitung, hatte aber einen guten Draht, nach oben und wohin auch sonst noch. Neben Paul Busch war der Mann das fliegerische Aushängeschild des SFC Hirzenhain. Der Hangflugdauerrekord, den er zusammen mit dem „Micke-Paul“ im Mai 1959 am Nord-West-Hang aufgestellt hatte, ist bis heute ungebrochen: 15 Stunden und 40 Minuten waren beide über dem Tal gekreist. Ersterer mit dem Kranich III, sein Kollege in der Ka 6. Nur die hereinbrechende Dunkelheit hatte die beiden auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Aber das war nur der Anfang.

Der EAM-Betriebsassistent gab dem Luftsport in den Folgejahren wichtige neue Impulse. Generationen von Piloten nahmen sich ein Vorbild an diesem „Überflieger“. Sein fliegerisches Handwerk hatte er hier vor Ort während des Zweiten Weltkriegs erlernt, um nach dem Zusammenbruch die Seiten zu wechseln. Aus dem himmlischen Klassen- wechselte er ins Lehrerzimmer. Wie vielen zu Luftikussen konvertierten Fußgängern er das kleine Einmaleins der Thermikjagd beigebogen hat, lässt sich nicht mehr ermitteln. Aber es waren einige. In Hirzenhain ebenso wie in Hörbach und in Breitscheid.

 

Und nachdem ihm das Geradeausfliegen auf Dauer zu langweilig wurde, sattelte der Vater dreier Kinder um und besuchte 1971 die Hohe Schule des Segelkunstflugs. Über 20 Jahre machte er dieser ästhetischsten Variante des lautlosen Fliegens alle Ehre, organisierte bundesweit Ausbildungslehrgänge und nahm erfolgreich an deutschen und europäischen Meisterschaften teil.

Die benötigte Hardware hatte er sich mit seinen Freunden Fritz Steinlehner und „Schustersch Fritz“ selbst zusammengebastelt. Die Lo 100 fliegt heute noch, und wie! Und das nach wie vor mit einem Göst am Steuerknüppel.

Mike, der Junior, hat, klarer Fall, Papas Gene geerbt. Was sich wiederholt zeigte. Beispielsweise 1999 und 2007. Damals wurde Michael Göst mit der deutschen Segelkunstflug-Nationalmannschaft zweimal Vize-Weltmeister. Auch wenn die Konkurrenz heute mit ihren High-Tech-Vögeln besser gerüstet ist, mit dem guten alten Holzbomber mischt der Polizeikommissar i.R bei Wettbewerben immer noch ganz vorne mit.

Sein Papa, der auch viele Jahre als Vorstandsmitglied sowohl in Hirzenhain als auch in Breitscheid Verantwortung trug und sich besonders in der Jugendarbeit engagierte, starb 71jährig am 20. April 1999. Aber irgendwie ist er immer noch am Hirzenhainer Himmel präsent.

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