post-title Stotterer mussten
Bibelverse singen https://www.hirzenhain.net/wp-content/uploads/01-Pfarrer-Eckhardt.jpg 2018-03-11 08:56:27 yes no Posted by Categories: Anekdoten

Stotterer mussten
Bibelverse singen

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Stotterer mussten <br />Bibelverse singen

So ein Dasein als Konfirmand ist (und war) auch nicht immer ganz einfach. Es begab sich also zu einer Zeit, als die Hirzenhainer und Eiershäuser noch gemeinsam in Katechismuskunde belehrt wurden. Drei Buben aus unserem Nachbarort hatten, sollten sie etwas aufsagen, massivste Artikulationsprobleme. Anders formuliert: Die armen Prüflinge stotterten und brachten keinen Satz unfallfrei über die Lippen. Doch Pfarrer Martin Eckhardt, dieser alte Zuchtmeister, kannte da kein Pardon.

Die Melodie war frei wählbar

Seine gehandicapten Schüler mussten die Zehn Gebote und diverse Bibelverse deshalb nicht aufsagen, sondern vorsingen. Und das klappte einwandfrei. Die Melodie durften die Interpreten frei wählen. Rufe nach Zugaben waren da obligatorisch. Mit der Nummer würden die unfreiwilligen Künstler heute jeden European Song Contest für sich entscheiden. Volle Punktzahl.

Die eigenwillige Kombination aus vorgegebenen Libretto und frei wählbarerer Partitur hat aber auch etwas Bestechendes. Nehmen wir Paragraph 10. Dort heißt es ja sinngemäß in Hirzenhainer Mundart übersetzt: „Dau sullst doi  Funger fo der Nochborsfraa losse“. Wenn man dieses Gebot nun zur Melodie von „Säist dau do de Säu im Goarde” vorträgt, ist der Plattenvertrag sicher.

Eckhardts Amtsnachfolger reagierte hingegen ziemlich unwirsch, als ihm seine Eleven, nach dem Psalm 23 gefragt, eine recht abgedrehte Version servierten: „Der Herr ist  mein Hirte. Mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf der Door Wees und führet mich zum Happer Burn!“ Dafür gab es keinen Applaus, sondern was auf die Ohren…

 

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