post-title Zwischen Bismarck und Sankt Florian 2018-03-14 17:42:51 yes no Posted by Categories: Unvergessen

Zwischen Bismarck und Sankt Florian

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Und noch ein Uniformträger aus Hirzenhain hat die Organisation, die er kreisweit repräsentierte (und anführte) nachhaltig geprägt: Siegfried Hermann. Der Mann hat, wie kein zweiter vor und nach ihm, regionale Feuerwehrgeschichte geschrieben. Zwei Jahrzehnte lang, von 1974 bis 1994, trug er als Kreisbrandinspektor Verantwortung für den Katastrophenschutz im gesamten Kreisgebiet, dem des ehemaligen Dillkreises, danach Lahn-Dill-weit.  Zunächst als ehrenamtlicher Funktionsträger, danach als Profi. Und ein solcher war er – durch und durch.


Siegfried Hermann ebnete den Lahn-Dill-Feuerwehren den Weg in die Zukunft

Die 1971 gesetzlich eingeleitete Umstrukturierung des Brandschutzwesens, durch die die Verantwortung für diesen Bereich vom Land auf die Kommunen überging, war die erste große Aufgabe, mit der sich der Mann konfrontiert sah – und die er (natürlich) meisterte. Das 1971 erlassene Brandschutzhilfeleistungsgesetz zwang zu tiefgreifenden Änderungen in Organisation, Aufbau und Ausbildung der Wehren.

Der KBI, wie der Amtsinhaber der Einfachheit halber verkürzelt wurde, sah dies als Chance und ebnete seinen Kameraden und Mitstreitern zwischen Rittershausen, Driedorf, Hüttenberg und Waldsolms den Weg in die Zukunft. Dass die Florianer in unserer Heimat aktuell so gut aufgestellt sind, ist auch sein Verdienst. Und dass sie jeder Situation  gewachsen sind, haben sie unter seiner Leitung ja mehr als einmal bewiesen. Sei es bei Wirbelsturmkatastrophen à la „Wiebke“ und „Kyrill“, sei es bei Hochwasserfluten wie der von Herborn anno 1984, dem Tankzug-GAU daselbst, Verkehrsunfällen oder Brandunglücken von apokalyptischen Ausmaßen.

Die Hirzenhainer nannten diesen fähigen Mann „Bismarck“, eine Bezeichnung, die schon seinem Großvater angehaftet hatte. Siegfried Hermanns Vater hatte bereits zu den Gründungsmitgliedern der hiesigen Wehr gezählt. Und da war es für den Junior selbstverständlich, ebenfalls in den blauen Rock zu schlüpfen, als 18-jähriger. Schnell wurde man auch höheren Ortes auf den aufstrebenden Florianer aufmerksam und übertrug ihm das Amt des Kreisjugendfeuerwehrwartes. Er wurde in Folge Vorsitzender des Feuerwehrverbandes des Dillkreises und später stellvertretender Chef des Nassauischen Feuerwehrverbandes.

Mit Pensionierung im Jahre 1995 war das Kapitel Feuerwehr aber noch längst nicht abgehakt. Seine Nachfolger schätzten seine Erfahrung, seinen Rat und seine Fachkenntnis auch nach dieser Zäsur. Welchen Kurs seine Heimatgemeinde nahm, war ihm auch nicht egal. Als langjähriger Gemeindevertreter und zeitweiliger Vorsitzender des Parlaments war er an der Entwicklung des Dorfes maßgeblich beteiligt und übernahm Verantwortung, ebenso als Mitglied der Evangelisch-Methodistischen Kirchengemeinde. Er starb 85jährig  am 6. Juli 2017.

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